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Führende Politiker der FDP bezeichneten die personelle Neuaufstellung als überzeugenden Neubeginn. Angesichts des Fachkräftemangels …
Der Deutschlandfunk, natürlich. Na gut, der Satz ging weiter, aber für einen Moment hat sich der Klugscheißer gefreut.

Whatever

Kennt ihr Christian Lindner? Das ist der Typ mit dem Dreitagebart und dem Dackelblick, der auf einem Stuhl bei ›Hart aber Fair‹ festgeklebt worden ist, im Nebenberuf Generalsekretär einer kleinen Partei. Der, der so tapfer die Prügel für einen Anderen einsteckt und dabei mit seinen geröteten Augen immer den Eindruck macht, er wünsche sich eigentlich nur, man würde ihn mal ganz doll knuddeln. Der personifizierte mitfühlenden Liberalismus.

Nun ist Wiedergängertum im TV nix, was hier mit Text vergolten wird – fehlt noch. Nicht mal beim Plasberg. Die Zeiten sind vorbei, dass man dazu als Politiker noch cojones brauchte.

Lindners Parteizugehörigkeit wäre da schon eher was, aber die Gattin hat mit Auszug gedroht, sollte der Klugscheißer nochmals in ihrer Hörweite seine Meinung zur FDP ventilieren.

Nee. Was den Klugscheißer aus dem wohlverdienten Dämmerschlaf auf der linken Sofaflanke gerissen hat war etwas ganz unerwartetes. Von einem Politiker zumindest. Ein ganz ehrlicher Satz. Einer, der tiefe Einblicke gewährt. Aus dem Munde Christian Lindners.

Nun ist das wirklich nichts, was Politikern häufig passiert. Man könnte sagen, das ist genau das, was Politikern eigentlich nie passieren sollte. Sie müssen schon ziemlich am Ende sein, bevor ihnen so ein Satz rausrutscht. Und selbst dann fällt er in dem ganzen Politikerduktus meist gar nicht so richtig auf.

Des Klugscheißers bisheriger favourite in der Kategorie war von Peer Steinbrück. Der Mann war damals Ministerpräsident, musste vor der Kamera bekanntgeben, dass sein heißgeliebter Transrapid doch nicht den S-Bahn-Dienst nach Dortmund übernehmen würde, und sagte:

Manchmal ist Politik auch das Anerkennen der Wirklichkeit. Ich habe mich nach langer Überlegung dazu durchgerungen.*

Ja. Genau.

Christian Lindner hat am letzten Mittwoch auch so einen Satz gesagt. Es ging um die Bundespräsidentenwahl.

Bisher war der Klugscheißer hin und her gerissen. Nicht zwischen den Kandidaten, sondern zwischen Gleichgültigkeit und dem Gefühl, eine Meinung haben zu müssen.

Dass der alte zurückgetreten war: ärgerlich. Eine Woche früher, und ›Nummer 2 geht‹ wäre noch viel schöner geworden. Aber na gut. Dass die Koalition dann einen Politiker am Karriereende aufstellt, geschenkt – das hat Tradition. Einziger Fehler der Koalitionäre: das Einstiegsalter abzusenken. Nicht, weil Altersdemenz im Staatsamt eine gewissen Unterhaltungswert hätte (sie hat). Sondern weil es das Feld freigemacht hat für die Besetzung der Nationalopa-Nische durch SPD und Grüne.

Damit fingen nämlich Menschen, etwa der vom Klugscheißer hoch geschätzte Felix Schwenzel, plötzlich an, sich für den Herrn Pastor stark machen. Nicht nur, aber besonders im Internetz. Kleiner Sommertraum vom Sturz der Internetzversperrer durch die Geschmähten. Verständlich. Irgendwie reizvoll. Und wenn der Gegenkandidat so gelobt wird, sogar sehr sympathisch. Der Klugscheißer sympathisiert. Glaubt aber nicht an die Relevanz (und an den Erfolg erst recht nicht).

Christian Lindner hat mit einem einzigen Satz das Dilemma aufgelöst:

… wir möchten eine Bundespräsidenten haben, der gerade in dieser wirtschaftlichen Krisenzeit ökonomische Zusammenhänge erklären kann – das kann Christian Wulff.

Und welche Zusammenhänge soll der neue Präsident den Bürgern wohl erklären? Genau.

Also, die Wahl zum neuen Regierungssprecher kann der Klugscheißer wirklich mit gutem Gewissen ignorieren.

* In etwa – das Universalgedächnis hat den Klugscheißer dazu schmählich im Stich gelassen. Komme hier keiner mit »Das Netz vergisst nie«.